Zum Thema
»Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«, heißt es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Dagegen erklärten sich die dreizehn amerikanischen Kolonien für unabhängig, indem sie sich auf die »authority of the good people« beriefen. Was meint hier »gut«: Ist das Volk an sich gut, auf dessen Zustimmung die Legitimität der Volksherrschaft beruht? Oder sollte in einer Demokratie nur das gute Volk herrschen, das »schlechte« jedoch nicht?
Das Podiumsgespräch kreist um die Frage, welche Bedeutung den Ideen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in der gegenwärtigen Debatte über die Krise der Demokratie zukommt. Was heißt es, wenn eine rechtsextreme Partei wie die Alternative für Deutschland programmatisch beansprucht, den »Geist von Freiheit und Demokratie grundlegend zu erneuern«? Wie bedeutsam ist es, dass auch die »Make America Great Again«-Bewegung am 4. Juli 2026 die Unabhängigkeitserklärung feiert, die sie mit Donald Trump als eine »Erklärung der Einigkeit und der Liebe und des Respekts« begreift? Ist es sinnvoll, sich heute auf das Versprechen allgemeiner Gleichheit und Freiheit der amerikanischen Revolution zu berufen, ohne von Sklaverei und kolonialer Gewalt zu sprechen? Lässt sich das Ideal eines demokratischen »common sense«, so wie es der Founding Father Thomas Paine zeichnete, auf unsere Gegenwart übertragen? Welche Denkanstöße gehen heute von der Unabhängigkeitserklärung aus, wenn wir die Demokratie als Herrschafts- und Lebensform wahren und erneuern wollen?
Auf dem Podium
Christina Morina ist Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der deutschen und europäischen Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts, der Geschichte und Nachgeschichte des Zweiten Weltkriegs, der politischen Ideengeschichte und der politischen Kultur- und Erinnerungsgeschichte. Ausgewählte Veröffentlichungen: Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren (Siedler, 2023), ausgezeichnet mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2024, sowie Das amerikanische Beben. Erfahrungen und Konsequenzen für die deutsche Demokratie (Siedler, 2026).
Till van Rahden
ist Professor für Deutschland- und Europastudien an der Université de Montréal in Kanada und derzeit als Mercator-Fellow des DFG-Graduiertenkollegs »Ästhetik der Demokratie« am Forschungskolleg. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte seit der Aufklärung. Dabei interessiert er sich besonders für die Spannung zwischen dem Versprechen demokratischer Gleichheit und der Allgegenwart von kultureller Verschiedenheit. Ausgewählte Veröffentlichungen: Demokratie: Eine gefährdete Lebensform (Campus, 2019) und Vielheit: Jüdische Geschichte und die Ambivalenzen des Universalismus (Hamburger Edition, 2022).
Tine Stein ist Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Forschung konzentriert sich auf die normativen Grundlagen des demokratischen Verfassungsstaates, insbesondere auf das Verhältnis von Politik, Recht und Religion sowie auf Fragen von Demokratie und ökologischer Verantwortung. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift DER STAAT und Permanent Fellow des Integrative Research Institute Law & Society der Humboldt-Universität zu Berlin. Ausgewählte Veröffentlichungen: Politische Grundbegriffe im 21. Jahrhundert, hg. von Tine Stein et. al.(Nomos, 2023) und »Claus Offe (1940–2025). Würdigung des wissenschaftlichen Werks und seiner Rolle als politischer Intellektueller« in: Leviathan (2026).
Moderation
Lukas Fuhr
ist Redakteur im Politikressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Anmeldung
Zur besseren Disposition bitten wir um vorherige Anmeldung bis zum 29. Juni 2026 unter:
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.
Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.